Slawonien: eine Liebeserklärung

Slawonien: eine Liebeserklärung

Slawonien ist eine Art Stiefkind Kroatiens. Es gehört zwar irgendwie dazu, aber dennoch konzentriert sich alles auf die schönen Schwestern an der Adria. Doch wer meint er könnte zugunsten Istriens und Dalmatiens vollkommen auf Slawonien verzichten, hat sich wahrlich getäuscht. Meine persönliche Liebeserklärung an den Osten Kroatiens. 

Fehlendes Marketing

Bei der Ferien Messe in Wien Anfang des Jahres, legte auch Kroatien eine starke Performance hin. Zahlreiche Hotels sowie der komplette kroatische Tourismusverband waren vertreten. In der Mitte der Messehalle fand man sich vor einem imposanten kreisrunden Stand. Alle Regionen Kroatiens waren hier vertreten. Nun ja, fast alle. Vergeblich suchte man hier nach Slawonien. Fast so, als wollte man dessen Existenz nach außen hin vertuschen. Fakt ist, dass Slawonien die ärmste Region des Landes ist. Sie kann keine kilometerlange Küste vorweisen, die in türkisblaues Wasser mündet. Und zugegeben: das ist es doch, was die meisten Touristen an Kroatien so schätzen. In Anbetracht des Fokus des kroatischen Tourismusverbandes praktisch nur auf die Sommersaison, sollte das aber überdacht werden.

Wer auf die letzten Jahre zurückblickt wird bemerkt haben, dass es immer öfter verregnete Sommer gibt. Die Hochsaison spielt sich mittlerweile nur noch von Mitte Juli bis Mitte August ab. Wie soll ein starker Monat, die schwachen touristischen Einnahmen des restlichen Jahres kompensieren?

Diese Bedenken sind nicht neu. Schon länger arbeitet man an einem Tourismuskonzept für das Land an der Adria, das das ganze Jahr über Erträge abwirft. Das Problem wurde also erkannt. Warum Slawonien trotzdem außen vorgelassen wird, ist mir ein Rätsel. Der Trend zeigt, dass die Menschen vermehrt auf mehrere kurze Urlaubsreisen setzen.  

Mein erster Slawonien Besuch

Als ich das erste Mal nach Slawonien fuhr, wusste ich wenig bis gar nichts darüber. Ich muss mich heute schämen zuzugeben, dass ich bis vor wenigen Jahren noch nie wirklich von der Region gehört habe. Ich denke auch, dass es vielen anderen Nicht-Kroatinnen ähnlich geht. Das muss sich ändern. Also zurück zu meinem ersten Slawonien Besuch. Es war der Sommer nach meiner Matura. Ich war noch nicht so lange mit meinem Freund zusammen, doch er wollte mich seinen Großeltern vorstellen (er war sich zu dem Zeitpunkt offensichtlich schon sicher, dass das mit uns was Gutes ist ;-) ). Ich war vorher mit meinen Eltern zwei Wochen an der kroatischen Küste unterwegs und traf am Heimweg meinen Freund in Zagreb. Ich war total nervös. Was würde auf mich zukommen? Wie soll ich mit den Großeltern reden? Damals konnte ich noch kein Wort kroatisch – es war ein schreckliches Gefühl der Unsicherheit für mich. Ich konnte ja nicht wissen, wie nett alle zu mir sein werden und mit welcher Begeisterung sie versuchen würden, mir ihre Sprache und Kultur näher zu bringen.

Als wir nach Slakovci einbogen, fühlte ich mich auf einmal in meine Kindheit im Burgenland zurückversetzt. Die Häuser reihen sich aneinander, davor jeweils eine Einfahrt, die von der Straße über einen Kanal zum Gartentor führt. Und ganz wichtig: die obligatorischen weißen Plastiksessel, auf denen die alten Damen und Herren den halben Tag im Schatten sitzen und über Gott und die Welt plaudern. Mein erster Aufenthalt in Slawonien war toll. Und es sollten noch sehr viele mehr folgen.  Mit jedem Mal, begann ich ein Stück mehr die Umgebung zu erkunden. Vinkovci, Đakovo, Vukovar, Osijek, Ilok… um nur einige Destinationen zu nennen. Ich genieße jedes Mal das traditionelle Essen (vielleicht sollte ich auch einmal eine Liebeserklärung an Grah schreiben?) und die schöne Landschaft.

Denkt doch mal an die Zukunft!

In Slawonien scheinen die Uhren langsamer zu ticken. Die Menschen sind stets freundlich und ich bin jedes Mal aufs Neue überrascht, wie gerne sie ihre Kultur und Tradition an andere weitergeben. Doch man darf die Situation dort keinesfalls idealisieren. Es herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Jungen gehen nach Osijek, Zagreb oder gleich ins Ausland. Die Perspektiven sind gering. Die Menschen gehören zu den Ärmsten im Land. Vom verstärkten Fokus auf den Ausbau des Tourismus in der Region, würden die Menschen unheimlich profitieren. Und wer sagt, es gäbe nicht genügend Möglichkeiten, hat zu wenig Fantasie. In Đakovo kann man heute noch das Lipizzaner-Gestüt besuchen, das einst in der ganzen Donaumonarchie berühmt war. Ilok bietet sensationellen Wein und tolle Lokale. Wer shoppen will, kann das in den neu errichteten Einkaufszentren in Osijek tun. Und die historische Bedeutsamkeit Vukovars ist auch über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Gedenkstätten und Museen sind über die ganze Stadt verstreut – mit der richtigen Vermarktung lassen sich hier bald Busse voll Touristen herbringen.

In unserer hektischen Welt, die niemals schläft und uns manchmal den letzten Nerv raubt, ist ein Urlaub in Slawonien ein Genuss. Einmal einfach nur das Handy abdrehen, den Laptop zuhause lassen und für ein paar Tage aus dem Alltag fliehen. Diese Art von Urlaub wird für viele Menschen immer beliebter. Slawonien sollte hier seine Chance wittern. Anstatt mit actionreichem Wassersport, kann die Region mit Ruhe und Kulinarik punkten. Lieber kroatischer Tourismusverband: investiert doch mal in eine Werbekampagne für Slawonien, anstatt in einen Wasserpark in Istrien!

Barbara Zartl / kroativ.at

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