Interview mit Gordan Bakota, dem kroatischen Botschafter in Österreich

Interview mit Gordan Bakota, dem kroatischen Botschafter in Österreich

Gordan Bakota, Botschafter Kroatiens in Österreich, spricht im Interview mit dem kroativ.at Chefredakteur Anto Sluganović über Beziehungen zwischen Kroatien und Österreich, die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Länder, die europäische Integration Kroatiens und den Status der kroatischen Sprache in Österreich.

Zwischen den Republiken Österreich und Kroatien bestehen jahrhundertelange kulturelle, wirtschaftliche und politische Verbindungen. Wie sehen die aktuellen politischen Beziehungen zwischen Österreich und Kroatien aus? Gibt es offene politische Fragen zwischen den beiden Staaten?

Die Beziehung zwischen Österreich und Kroatien ist traditionell gut, intensiv und freundschaftlich. In der Praxis sprechen wir von einer Beziehung zwischen zwei Nachbarstaaten, wenngleich es zwischen Kroatien und Österreich keine unmittelbare Staatsgrenze gibt. Österreich hat in den letzten Jahren viel für Kroatien getan und erwies sich in Schlüsselmomenten der kroatischen Geschichte als verlässlicher Verbündeter. An dieser Stelle sei Österreichs Unterstützung in Kroatiens Kampf um Unabhängigkeit oder die maßgebliche Unterstützung im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen erwähnt. Insgesamt herrscht großes gegenseitiges Verständnis innerhalb der bilateralen Beziehung und es gibt keine offenen politischen Fragen.

Wie wird sich der EU-Beitritt Kroatiens auf die österreichisch-kroatischen Beziehungen auswirken?

Diese werden sich nach dem EU-Beitritt intensivieren und verändern. In Kroatiens Außenpolitik schlagen wir nach dem 01.07.2013 ein neues Kapitel auf. Bis jetzt waren wir in der Rolle eines Verhandlungspartners, mit dem 01.07.2013 werden wir zum gleichberechtigten Partner innerhalb der Union. Wichtig wird die Entwicklung unserer Beziehung zu Österreich, aber auch zu anderen Staaten, im Sinne einer europäischen Perspektive sein. Die Staaten Mitteleuropas – und Kroatien ist ein mitteleuropäischer wie auch mediterraner Staat – sollten nach ausgeglichenen und engen Beziehungen trachten. Es ist uns ein Anliegen, mit dem befreundeten Österreich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit wie auch die Zusammenarbeit auf regionaler bzw. Bundeslandebene auszubauen.

Erforderlich ist weiters eine aktivere Beteiligung Kroatiens an der Donaustrategie, denn Kroatien zählt auch zu den Donaustaaten. Kroatiens überaus günstige geografische Lage bringt die Besonderheit mit sich, dass Kroatien als einziger Staat in dieser Region die Donau mit dem Mittelmeer verbindet. Solche Gegebenheiten stellen eine große Entwicklungsperspektive dar, daher gilt es, über neue, ich würde sagen, mitteleuropäische Formen der Zusammenarbeit mit Österreich und anderen Staaten nachzudenken. Kroatien unterstützt andere südosteuropäische Staaten auf ihren Weg zur euro-atlantischen Integration und das ist unserer prinzipiellen Politik wie die Unterstützung der regionalen Zusammenarbeit und die Pflege gute nachbarschaftliche Beziehungen mit allen unseren Nachbarn.

Wenn wir über die Beziehungen zwischen Österreich und Kroatien sprechen, möchte ich erwähnen, dass die große Anzahl der in Österreich lebenden Kroaten einen wesentlichen Bestandteil dieser Beziehungen darstellt. Rund 100.000 kroatische Auswanderer leben in Österreich, hinzu kommen 50.000 burgenländische Kroaten, die eine autochthone Minderheit in Österreich bilden. Dieser bedeutende Faktor wirkt sich positiv auf die zwischenstaatliche Beziehung aus.

Österreich ist der größte ausländische Investor in Kroatien. Auch kroatische Unternehmen verzeichnen bedeutende Erfolge am österreichischen Markt. Wie sieht die wirtschaftliche Zusammenarbeit aktuell aus und gibt es Raum für Verbesserungen?

Österreich ist seit 1993 bis heute mit 6,5 Milliarden Investitionen der größte ausländische Investor in Kroatien. Österreicher stellen nach Deutschen und Slowenen die drittgrößte Touristengruppe Kroatiens dar. Berücksichtigt man dabei Österreichs Größe, handelt es sich für uns um eine sehr bedeutende Kennzahl. Auch beim Warenhandel sprechen wir von ähnlich positiven Kennzahlen. Diese Fakten untermauern die Bedeutung Österreichs für Kroatien. In Kroatien sind viele österreichische Unternehmen tätig und ich bin zuversichtlich, dass die Anzahl der kroatischen Investoren in Österreich bzw. der am österreichischen Markt aktiven Geschäftspartner nach dem EU-Beitritt steigen wird. Betrachtet man die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Kroatien und Österreich vor diesem Hintergrund, wird klar, dass es sich insgesamt um eine Dynamik von großer Bedeutung handelt, eine Dynamik, der nach dem EU-Beitritt neue Impulse und Dimensionen verliehen werden.

Zahlreiche bedeutende Kulturträger Kroatiens studierten und wirkten in Österreich und Wien. Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit auf dem kulturellen Gebiet?

Mit Stolz möchte ich hervorheben, dass bereits seit Jahren in den Monaten November und Dezember die angesehensten kroatischen Künstler beim Festival der kroatischen Musik in Wien auftreten. Für einen echten Erfolg halte ich es, dass die Zagreber Philharmoniker am Programmplan eines der renommiertesten Musikhäuser mit seinem höchst anspruchsvollen Publikum – nämlich dem Musikverein – im vergangenen Jänner zu finden waren. In Zusammenhang mit dem EU-Beitritt ist eine Ankurbelung der direkten Zusammenarbeit zwischen kulturellen Institutionen Kroatiens und Österreichs erwünscht. Die kroatische Botschaft und kroatische Vereine in Österreich werden wie bisher Kulturprojekte initiieren, doch einen echten Fortschritt werden wir erst mit der zuvor erwähnten direkten Zusammenarbeit erreichen. Als Beispiele fallen mir die Aufführung kroatischer Theaterstücke im Burg- oder Volkstheater oder die Zagreber Philharmoniker als fester Programmpunkt in Österreichs Kunsthäusern ein. Vor dem Hintergrund, dass Wien europa- und weltweit eines der größten Kulturzentren ist, stellt es natürlich eine Herausforderung dar, unsere Künstler an der Kultur-Weltspitze zu positionieren. Doch kroatische Künstler sind in der Lage, auch dem anspruchsvollen Wiener und österreichischen Publikum mit entsprechenden Angeboten zu begegnen.

Das Thema Kultur zählt zu den höchsten Prioritäten für die kroatische Botschaft, denn Kultur ist die beste Möglichkeit, ein Land zu präsentieren. Gleichzeitig bedeutet Arbeit für Kultur eine große Verpflichtung. In Zeiten von Budgetrestriktionen ist es eine echte Herausforderung, hochqualitative Werbung für die kroatische Kultur zu betreiben. Dennoch schreiten wir voran, denn – neben Sport und Kroatiens Naturschönheiten – ist Kultur die weltweite Visitenkarte Kroatiens.

Es ist mir eine besondere Freude, an dieser Stelle ein großes Konzert im Zeichen des EU-Beitritts, organisiert durch die kroatische Botschaft, für den 01.07.2013 anzukündigen. Es ist dies ein wunderbarer Beweis für die bedeutenden Fortschritte, die wir im kulturellen Bereich erzielt haben, auch wenn es natürlich immer Raum für Verbesserungen gibt. Ich möchte mit diesem Interview auch die Möglichkeit nutzen, an in Österreich lebende Kroaten sowie kroatische Vereine zu appellieren, mit der Botschaft bei Kulturprojekten intensiver und auf einer hohen qualitativen Ebene zusammenzuarbeiten.

Die Republik Kroatien wird am 01.07.2013 vollwertiges Mitglied der Europäischen Union. Welche Veränderungen bringt der EU-Beitritt für in Österreich lebende Kroaten?

Kroaten in Österreich sind eine anerkannte Gemeinschaft, die ein sehr gutes Image genießt. Noch niemals sind mir im Zuge meiner Arbeit kritische Stimmen zur kroatischen Gemeinschaft begegnet, hingegen sehr viel Positives. Bei einer vor einiger Zeit durchgeführten Umfrage zum Thema, welches weitere Land Österreicher gerne in der EU sehen möchten, erhielt einzig und allein Kroatien grünes Licht. Dies spricht für ein großes gegenseitiges Verständnis zwischen den beiden Völkern. Dies ist zum einen sicherlich unseren historischen Beziehungen zuzuschreiben, nicht zuletzt aber auch der gelungenen Integration der in Österreich lebenden Kroaten. Diese fungieren als Brücke zwischen den beiden Ländern.

Nach dem EU-Beitritt Kroatiens werden sich für die in Österreich lebenden Kroaten neue Dimensionen eröffnen. So werden beispielsweise Kroaten ohne österreichische Staatsbürgerschaft wahlberechtigt bei lokalen Wahlen. Damit wird auch für in Österreich lebende Kroaten eine neue Seite aufgeschlagen und sie werden einen bedeutenderen Status in der österreichischen Gemeinschaft erreichen. Das ist das erste Segment. Das zweite Segment sind die Kroaten in Österreich als Verbindung zu Unternehmern aus Kroatien, die in den österreichischen Markt einsteigen möchten. Ich empfinde das als großen Vorteil, denn wir sprechen von in Österreich lebenden Kroaten, die mit vielfältigen sprachlichen Kompetenzen, Know-how und Business-Netzwerken ausgestattet sind. Eines der wichtigsten Ziele in Zusammenhang mit dem EU-Beitritt ist die Schaffung jener Rahmenbedingungen, die es kroatischen Unternehmern ermöglichen, als vollwertige europäische Kooperationspartner wahrgenommen zu werden und infolgedessen ihre Geschäftstätigkeiten einfacher und besser auf dem Gebiet der EU sowie in Österreich auszuüben. Ein gesteigertes Interesse von Unternehmern aus Kroatien an dem bedeutsamen österreichischen Markt ist gleichzeitig die Möglichkeit für kroatische Unternehmer in Österreich, neue Geschäftskontakte in der Heimat zu generieren.

Das dritte Segment ist der Beitritt Kroatiens zum Schengener Abkommen, das nach dem EU-Beitritt als primäres Ziel verfolgt wird. Wann genau der Beitritt erfolgen soll, kann im Moment schwer prognostiziert werden, da es mehrere Einflussfaktoren gibt. Wir sind schon bereit für diesen Schritt und werden auch sehr schnell die formalen Kriterien erfüllt haben. In der Praxis wird dies eine noch engere Verbindung unserer Heimat mit Österreich bedeuten. Wie Sie wissen, haben in Österreich lebende Kroaten eine enge Bindung zu Kroatien, Bosnien und Herzegowina. Viele besitzen Häuser in der Heimat, haben Verwandte und verbringen ihren Urlaub in Kroatien. Nach dem EU- und Schengen-Beitritt werden sie durch den Wegfall der Grenzkontrollen noch schneller und einfacher nach Kroatien, Bosnien und Herzegowina reisen können.

Zu den drei genannten, sehr bedeutungsvollen Faktoren möchte ich einen vierten hinzufügen, und zwar beziehe ich mich hier auf Reformen und andere positive Effekte durch den Beitritt. Ich bin überzeugt davon, dass die Europäische Union viel Gutes für Kroatien bringen wird. Bereits zum aktuellen Zeitpunkt sind wir ein Staat mit verbessertem Rechtssystem, den Anti-Korruptionskampf tragen wir auf einer qualitativ höheren Ebene aus und haben einen vergleichsweise besseren Rechtschutz. Der EU-Beitritt wird sicherlich auch Reformen der bürokratischen Strukturen bewirken, die immer wieder Anlass für Beschwerden sind. Insgesamt wird eine neue Qualitätsebene eingezogen, die sich positiv auf die Beziehung zwischen in Österreich lebenden Kroaten und der Republik Kroatien auswirken wird.

Es gibt zahlreiche Versuche, die kroatische Sprache im sogenannten BKS (Bosnisch, Kroatisch, Serbisch) aufgehen zu lassen. Wie ist der Status der kroatischen Sprache in Österreich und wie zufriedenstellend gestaltet sich dieses Thema?

Die Frage ist berechtigt. Zudem ist dies eine Frage, mit der sich die kroatische Botschaft intensiv befasst. In meiner Rolle als Botschafter bin ich, wie auch die Mehrheit der hierzulande lebenden Kroaten, nicht ganz zufrieden mit der aktuellen Gestaltung bzw. mit dem Angebot des Zusatzunterrichts auf Kroatisch. Zwar handelt es sich hier um zwei verschiedene, zugleich aber eng miteinander verbundene Themen. Die Diskussion über Ursachen der Entstehung von BKS als Modell, das auch in den österreichischen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt wird, lassen wir an dieser Stelle beiseite.

Wir haben – gemeinsam mit verschiedenen kroatischen Organisationen und Vereinen sowie mit dem kroatischen Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Sport – einige Aktionen initiiert, die ich hier anführen möchte. Der Verein Kroatischer Weltkongress hat die Initiative „Kroatisch ist unsere Wahl“ gestartet. Der Grundgedanke dieser Initiative besteht darin, die in Österreich lebenden Kroaten zum Reflektieren über die Qualität der kroatischen Sprache anzuregen, die im Rahmen des Zusatzunterrichts an österreichischen Schulen angeboten wird. Ein lobenswertes Projekt, ein Versuch, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es sich bei Kroatisch um die 24. Sprache der EU handelt, dass Kroatisch als zweite offizielle Sprache in Österreich anerkannt ist und dass die Notwendigkeit besteht, Kindern von hierzulande lebenden Kroaten durch das Erlernen von Hochkroatisch und hochqualitativen Inhalten den Zugang zu ihrer Heimat zu ermöglichen. Oftmals erreicht uns die Information, dass die in österreichischen Schulen angebotene kroatische Sprache eine Mischung aus mehreren anderen Sprachen darstellt. Es erreichen uns auch Beschwerden über die Art, wie kroatische Geschichte, Tradition und Kultur unterrichtet werden.

Wer ist für die Gestaltung und Organisation des kroatischen Zusatzunterrichts verantwortlich?

Die Verantwortung dafür obliegt der Republik Österreich und wir wollen uns nicht direkt in die internen Themen Österreichs einmischen, wir weisen jedoch darauf hin, dass der Zusatzunterricht eine höhere Qualität erfordert, und möchten hier zu einer Optimierung beitragen.

Als Ergebnis unserer Verhandlungen mit Österreich konnte eine Einigung über eine rechtliche Formulierung zum Status der kroatischen Sprache erzielt werden. Österreich verpflichtet sich, an jenen Schulen, an denen es eine Mindestanzahl an Kindern bzw. Eltern, die am Erlernen der kroatischen Sprache und an Kroatischunterricht interessiert sind, gibt und die über entsprechendes Lehrpersonal verfügen, einen derartigen Unterricht anzubieten. Nun sind wir in einer Phase, in der wir gemeinsam mit kroatischen Lehrern die Anzahl der Interessenten erheben. Der angebotene Unterricht wird nach den Vorgaben des kroatischen Unterrichtsprogramms in Kroatien gestaltet, das sich von jenem des BKS-Unterrichtsprogramms unterscheidet. Wir von der Botschaft unterstützen hier die Erreichung eines Konsens auf breiterer Basis. Eine wichtige Rolle spielen dabei die kroatischen katholischen Missionen, denn ohne diese ist das Leben von Kroaten in Österreich unvorstellbar. Ich bin sehr erfreut darüber, dass sie das Projekt unterstützen. Eine optimierte Koordination zwischen kroatischen Vereinen und den kroatischen katholischen Missionen vorausgesetzt, bin ich mir sicher, mit unseren österreichischen Freunden eine akzeptable Lösung finden zu können. Mit Österreich, einem uns befreundeten Staat, sind wir in der Lage, sehr offen zu reden, denn der Status der kroatischen Sprache und des kroatischen Zusatzunterrichts sollte ein besserer sein.

An dieser Stelle sei auch eine Initiative erwähnt, über die noch nachgedacht wird, und zwar die Gründung einer kroatisch-deutschsprachigen Schule in Wien für Volks-, Unter- und Oberstufenschüler.

Das ist ein lobenswertes, von burgenländischen Kroaten initiiertes Projekt, welches die Zusammenarbeit zwischen burgenländischen Kroaten und den hier lebenden kroatischen Einwanderern vertiefen würde. Es handelt sich um eine staatlich unterstützte Initiative, über die Art der Realisierung müssen wir uns noch Gedanken machen. Auch für sehr bedeutend für die Zukunft hielte ich die Einführung eines Kroatistik-Studiums in Österreich. Ein Studium, das sich mit Fragestellungen der Kroatistik auf eine neue, systematische und moderne Art und Weise auseinander setzen würde. Ich bin mir sicher, dass es für ein solches Studium reges Interesse geben könnte.

In Österreich sind viele kroatische Kultur- und Sport-Vereine aktiv. Wie beurteilen Sie die Arbeit dieser Vereine?

Die Szene bietet ein sehr vielfältiges Angebot an kroatischen Organisationen und Vereinen. Neben der Vereinigung in Wien haben wir sehr gute und aktive Vereine in Linz, Graz, Innsbruck und Salzburg, die jeweils auf ihr lokales Umfeld fokussiert sind. Schlüsselaktivitäten kroatischer Vereine sind auf Sport, Folklore und den Erhalt des kulturellen Erbes ausgerichtet. Ich halte das für sehr wichtig bzw. für etwas, das nicht vernachlässigt werden darf. Die Frage des Schutzes kroatischer Kultur und Tradition ist eine zentrale in unserer Heimat. Wir fördern daher einige Vereine und ihre Initiativen, um bei jungen Menschen die Verbindung zu ihrer Heimat in Kroatien, Bosnien und Herzegowina zu stärken.

Bei Heimatfesten oder Sportveranstaltungen mit Tausenden Teilnehmern freue ich mich immer wieder über die gelungene Organisation solcher Events. Einige Tausend Menschen beim Wiener Fußballcup versammelt zu sehen berührt mich, denn dies symbolisiert die kroatische Einheit. Mit Ausschreitungen bei diesen Fußballspielen hingegen bin ich nicht zufrieden. Aus meiner Sicht sind Veranstalter dafür verantwortlich, solche Ausschreitungen zu verhindern. Ich appelliere an alle Sportklubs, ein derartiges Verhalten nicht zu dulden.

Insgesamt aber wird dem Sport hoher Stellenwert beigemessen und wir in der Botschaft fördern das.

Wie hoch ist der Anteil junger Generationen im gesellschaftlichen Leben der Kroaten in Österreich?

Ich würde mir einen höheren Anteil an Menschen jüngerer Generationen und kroatischer Studenten bei gesellschaftlichen Anlässen der Kroaten in Österreich wünschen. Aus meiner Sicht ist die Förderung von Initiativen, die das jüngere Publikum und die neuen Generationen ansprechen, im Moment ein zentraler Punkt. In diesem Zusammenhang möchte ich den großen Beitrag all jener würdigen, die noch zu Zeiten Jugoslawiens kroatische Interessen vertraten und großartige Unterstützung im Heimatkrieg in Kroatien, Bosnien und Herzegowina leisteten. Diesen, auch in der heutigen Zeit aktiven Menschen der kroatischen Diaspora danke ich für all ihre guten Taten. Nun ist es an der Zeit, neben alten Generationen neue heranwachsen zu lassen. In Wien haben wir mehr als 1500 kroatische Studenten und eine hohe Anzahl an Absolventen. Diese nutzen neue Technologien, neue Formen der Kommunikation wie Ihr Online-Portal „kroativ.at“. Unter anderem aus diesem Grund haben Sie meine volle Unterstützung bei der Gründung Ihres Info-Portals für Kroaten in Österreich. Ein weiterer Wunsch von mir ist die Neugestaltung der kroatischen Studentenvereinigung in Wien. In Graz funktioniert sie und dies würde auch Wien gut tun. Ich sehe es als eine Aufgabe der Botschaft und der kroatischen Vereinigungen, die Mitgliedschaft bei solchen Initiativen auch für junge Menschen attraktiv zu machen.

Auf diesem Wege lade ich Führungs- und Vorstandsmitglieder kroatischer Organisationen und Vereine ein, für nachhaltige Bindungen zu sorgen. Wünschenswert aus meiner Sicht sind eine bessere Koordination und Zusammenarbeit unterschiedlicher Vereine sowie mehr gegenseitiger Respekt für die Ziele und Prioritäten anderer. Für einige haben Sport oder Folklore höchste Priorität, andere wiederum widmen ihre Ressourcen in erster Linie Ausbildungs- und Zusatzunterrichtsthemen. Mein zentrales Anliegen ist, dass die Aktivitäten insgesamt sowohl beim Adressaten Republik Österreich als auch beim Adressaten Republik Kroatien einen koordinierten und systematischen Eindruck hinterlassen. Das ist mein Appell für höhere Qualität in der Zusammenarbeit – wir von der Botschaft stehen für Unterstützung zur Verfügung und leisten gerne unseren Beitrag. Rückblickend betrachtet haben wir die besten Ergebnisse immer dann erreicht, wenn ein gewisser Zusammenhalt da war. Wir müssen nicht alle gleich denken, doch wenn wir koordiniert agieren, können wir viel mehr erreichen.

Sie leben bereits seit zwei Jahren in Österreich. Welche Eindrücke haben Sie bis jetzt gesammelt? Wie fühlen Sie sich in Wien?

Aus diesem Interview geht klar hervor, wie wichtig die Republik Österreich für die Republik Kroatien ist. Ich denke, es ist für jeden Botschafter eine Ehre und ein Privileg, hier seine Funktion ausüben zu dürfen. Wien ist eine außerordentlich intensive und dynamische Stadt, auch bezogen auf unsere Arbeit. Allein die Tatsache, dass hier 100.000 Kroaten leben und wir hier eines der größten Konsulate weltweit haben, gibt ausreichend Aufschluss über den täglichen Umfang und die täglichen Pflichten der Botschaft und meiner Mitarbeiter. Mein Leben hier ist in erster Linie auf die Arbeit fokussiert. Sofern es die Zeit erlaubt, genieße ich das ausgezeichnete kulturelle Angebot Wiens und besuche hie und da Konzerte oder Ausstellungen. Sehr gerne spiele ich eine Partie Tennis mit meinen österreichischen oder kroatischen Freunden oder drehe ein paar Laufrunden in den wunderschönen Wiener Parkanlagen, was mir großes Vergnügen bereitet. Ich sehe es als Privileg an, in einer – im Vergleich zu anderen Weltstädten – nicht so großen Stadt zu leben und dennoch die Angebote eben einer solchen Weltstadt zu genießen. Es ist schön, in Wien zu leben, nicht zuletzt wegen der Nähe zwischen Österreich und Kroatien und wegen der Ähnlichkeiten unserer Mentalitäten. Ich betrachte es als Vorteil und Ehre, in einem für Kroatien so wichtigen Land arbeiten zu dürfen.

Ihre Meinung zur Gründung des Online-Portals „kroativ.at“ für Kroaten in Österreich?

Mit großer Freude habe ich die Nachricht über die Gründung Ihres – in dieser Form erstmalig erscheinenden – Portals empfangen. Allein Fakten wie jene, dass in Österreich 100.000 Kroaten leben – in Kroatien wäre eine Stadt mit 100.000 Einwohnern eine der landesweit größten – oder dass Österreich der größte Investor in Kroatien ist, unterstreichen hinreichend den Bedarf nach einem qualitativ hochwertigen Medium. Es ist aus vielen Details ersichtlich, dass „kroativ.at“ ein solch hochwertiges Portal sein wird, das nützliche Informationen für in Österreich lebende Kroaten und eine echte Verbindung zwischen den Gemeinschaften der beiden Staaten bieten wird. Ich erachte das als lobenswert. Als Botschafter der Republik Kroatien haben Sie meine volle Unterstützung und ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihre Arbeit.

Welche Botschaft haben Sie für unsere Leser?

Mit dem EU-Beitritt Kroatiens schlagen wir ein neues Kapitel für die Republik Kroatien, für in Bosnien und Herzegowina lebende Kroaten und für Kroaten und burgenländische Kroaten in Österreich auf. Ich glaube an eine vorteilhafte Entwicklung Kroatiens im Lichte der europäischen Integration und dabei könnte den in Österreich lebenden Kroaten eine bedeutende Rolle zukommen. Auch bin ich mir sicher, dass „kroativ.at“ für eine noch stärkere und bessere Bindung zwischen Kroaten in Kroatien und Österreich sowie – auf staatlicher Ebene – zwischen Österreich und Kroatien sorgen wird.

Seien Sie mit „kroativ.at“ Ihrer Heimat näher und glauben Sie an die Zukunft Kroatiens!

Anto Sluganović / kroativ.at

Print

Ähnliche Artikel

Foto des Tages
Foto des Tages
Events
« »
  • Mo
  • Di
  • Mi
  • Do
  • Fr
  • Sa
  • So
FotogalerieAlle anzeigen