Armin Wolf: "Ich habe noch nicht das perfekte Interview gemacht"

Armin Wolf:

kroativ hat Armin Wolf zum Interview in seinem Büro getroffen. Entstanden ist dabei ein Gespräch über Twitter, Sprache als Integrationsfaktor und Erinnerungen aus dem ersten Kroatienurlaub des Journalisten. 

Herr Wolf, wie viel Zeit verbringen Sie insgesamt mit Lesen inklusive Twitter & Co?
An freien Tagen drei bis fünf, an Arbeitstagen zehn oder mehr Stunden. Ich hab immer schon viel gelesen, auch als Kind.

Welche Bücher beeindrucken Sie?
Mich beeindruckt alle ein bis zwei Wochen ein Buch. Neulich hat mir die Cicero-Trilogie von Robert Harris so gefallen, dass ich gleich drei weitere Bücher über das alte Rom gelesen habe. Heute habe ich "Rubikon: Triumph und Tragödie der Römischen Republik" für den neuen Thomas Glavinic Roman unterbrochen.

Haben Sie inzwischen James Joyce und "Ulysses" geschafft?
Nein, den werde ich in diesem Leben auch nicht mehr schaffen. "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Proust ist auch so ein Fall. Oder "Die Korrekturen" von Franzen. Inzwischen bin ich fünfmal dran gescheitert.

Sie müssen also ein Buch nicht um jeden Preis fertig lesen?
Nein, so viel Zeit habe ich nicht mehr im Leben.

Und Ihre Leidenschaft, die Wiener Kaffeehaus-Kultur, können Sie als Österreichs bekanntester Nachrichtenmoderator entspannt leben?
Ich sitze jeden Vormittag zwei Stunden im Kaffeehaus und lese und da bemerke ich es gar nicht, wenn jemand herschaut.

Sind Sie hinter der Kamera anders als vor der Kamera?
Nein. Natürlich mache ich hinter der Kamera Dinge, die ich vor der Kamera nicht machen würde. Schließlich moderiere ich eine seriöse Nachrichtensendung – ich verstelle mich aber nicht für die ZIB2. Über lange Zeit funktionieren Dinge im Fernsehen nur dann, wenn sie authentisch sind. Außer man ist ein fantastischer Schauspieler und der bin ich mit Sicherheit nicht.

Privat ist Armin Wolf kein großer Fernseh-Fan. Er liest lieber.

Wofür aus dem Fernsehprogramm lohnt es sich heutzutage noch das Fernsehgerät einzuschalten?
Ganz vieles. ORFIII, ARTE oder 3SAT kann man 24 Stunden laufen lassen und man wird mit jeder Sendung klüger, mit keiner dümmer.

Wie sieht es mit Radio aus?
Ö1 hören macht klüger. Eines der tollsten Beispiele dafür ist Natascha Kampuschs elaboriertes Deutsch, das sie, wie sie sagt, ausschließlich durch Ö1 gelernt hat. Großartig.

Blättern Sie auch mal die Woman durch?
Alle zwei Wochen. Ich lese Seite für Seite und bin danach zu einer Blattkritik aufgefordert.

Es gibt Bilder, die mich auch nach 30 Jahren Journalismus erschüttern oder berühren. Wäre ja schrecklich, wenn es nicht so wäre, meint Wolf.

Was aus der Nachrichtenwelt kann Sie immer noch erschüttern?
Die IS-Enthauptungsvideos sind natürlich grauenvoll. Es erschüttern mich auch täglich Bilder aus Aleppo und aus Syrien überhaupt. Ich glaube nicht, dass mich Dinge heute weniger erschüttern als vor fünfzehn Jahren.

Der tote Junge am türkischen Strand...
Ein unfassbar starkes Foto. Das berührt Journalisten nicht weniger als andere Menschen. Es hat einen Grund warum so starke Bilder um die ganze Welt gehen.

Mit mehr als 220.000 Followern ist Wolf unangefochtene Nummer Eins unter den Twitterern in Österreich. Über Twitter erreicht er auch jüngere Zuseher.

Sie sind in die Twitter-Welt eingestiegen, um Werbung für die ZIB2 zu machen. Ihre Meinungen auf Twitter sind aber die Ihren. Wo und wie ziehen Sie die Grenze?
Indem ich nur das twittere, was ich auch bei einer öffentlichen Veranstaltung  oder bei einem Interview sagen würde. Ich würde weder auf einer öffentlichen Veranstaltung, noch in einem Interview oder auf Twitter sagen, wen ich wähle. Auch zu politischen Aktionen oder ähnlichem würde ich nicht aufrufen. Das passt mit meinem Job nicht zusammen - auch wenn es mein persönlicher Account ist.

Könnte es überhaupt als ORF-Account so großartig funktionieren?
Ich glaube nicht. Dort das gleiche zu machen was ich in der ZIB2 mache, nämlich einfach Nachrichten verkünden, wäre nicht so dramatisch spannend. Interessant ist für viele wohl, dass es persönlicher ist. Und natürlich ist es weniger streng und weniger starr als ein Nachrichtenformat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wenn ich auf Twitter poste wie gut mir ein Film gefallen hat, oder welches Buch ich gerade lese - oder wie ich bestimmte politische Themen einschätze.

Die Marketing-Formel für die ZIB2 geht aber auf?
Ja, auch wenn Twitter heute für mich viel mehr ist als anfangs gedacht. Es ist auch ein bisserl ein Stammtisch. Interessante Themen oder Neuigkeiten, die ich früher den Kollegen im Großraumbüro erzählt habe, twittere ich jetzt.

Und ganz schön viele Follower lesen das, was Armin Wolf interessant findet...
Unter den Twitterern in Österreich habe ich die meisten Follower. Das ist aber nicht ausschlaggebend für mich.

Was ist in Hinblick auf Twitter ausschlaggebend für Sie?
Dass ich über Twitter auch jüngere Zuseher erreiche. Der durchschnittliche ZIB2 Zuseher ist Ende Fünfzig. Nachrichten werden tendenziell von älteren Menschen sehr viel gesehen und von jüngeren immer weniger, vor allem weil es sie auch online gibt. Das ist auf der ganzen Welt so. Ich will auch jüngeren Menschen sagen, dass es das gibt, was wir machen.

Woran messen Sie Ihr Tun im Job?
Vor allem an meinen eigenen Ansprüchen. Ich möchte das, was ich tue, möglichst anständig machen. Und nach 30 Jahre Journalismus kann ich mittlerweile ganz gut einschätzen, wann eine Sendung gelungen ist und wann weniger.

Woran noch?
An den Reaktionen meiner Kollegen und des Publikums, wobei das der schwierigste Teil ist. Der allergrößte Teil des Publikums reagiert natürlich gar nicht und bei denen die reagieren, stellt sich immer die Frage wie repräsentativ das ist. Hinzu kommt, dass man sich immer weniger auf Zuseher-Feedback verlassen kann, weil es immer mehr organisierte Reaktionen gibt. 

Wie sehr setzen Einschaltquoten Sie unter Druck?
Nicht so sehr. Unsere Quoten sind sehr gut und wir gewinnen jedes Jahr Zuseher dazu - was in Zeiten wie diesen ungewöhnlich ist. Eine Sendung kann noch so brillant sein, wenn nur 20.000 Leute zuschauen, lohnt es den Aufwand nicht. Mir gefällt ein altes Motto der BBC sehr gut: "Wir wollen unseren Zusehern dabei helfen qualifizierter am demokratischen Diskurs teilzunehmen." -  das möchte ich auch. Und dazu brauchen wir Zuseher. Aufklärung braucht Publikum.

Ist der Papst immer noch Ihr Wunsch-Interviewkandidat Nummer eins?
Ja. Der vorherige Papst war interessant, weil er Deutsch gesprochen hat. Der jetzige Papst ist inhaltlich besonders interessant. Und ein Interview mit dem Papst ließe sich weltweit gut verkaufen, weil es nicht so viele Papst-Interviews gibt.

Auf die Frage nach Wolfs Interviewtechniken, antwortet der Journalist nüchtern. Er unterscheide lediglich ob er einen Politiker, einen Spitzenmanager oder einen Experten interviewe.

Ihre Politiker-Interviews fallen aber unterschiedlich hart aus.
Der Ton hängt vom Gast ab. Es wäre absurd jemanden wir Herrn Van der Bellen gleich zu interviewen wie Herrn Strache, die beiden verhalten sich ja völlig unterschiedlich. Es ist auch ein Unterschied, ob jemand meine Fragen beantwortet oder ständig ausweicht und mich teilweise auf persönlicher Ebene attackiert. Was keine Rolle spielt, ist meine politische Einstellung. Politiker, die ich persönlich sympathisch oder besonders kompetent finde, befrage ich genauso kritisch.

Was waren Ihre ersten Gedanken nach dem Frank Stronach Interview, als er zu Ihnen sagte "Du hast aber schon dumme Fragen gestellt"?
Das fand ich doch etwas unhöflich. Wir sind nämlich nicht per Du. Noch ungewöhnlicher war, als er nach fünf Minuten wieder reinkam und mir sein Buch in die Hand drückte, mit der Widmung "Für Armin Wolf, einen guten Reporter". Das war wirklich schräg.

Das ganze Interview war schräg...
Ja, wobei ich mir nach zwei Minuten sicher war, da kann nichts mehr schief gehen, das wird ein YouTube Schlager. Ich hätte nichts machen können, das schräger gewesen wäre, als das was Herr Stronach gemacht hat.

Fühlen Sie sich von Ihren Gästen manches Mal zu wenig oder nicht wertgeschätzt?
Überhaupt nicht. Ich lebe nicht in der Illusion, dass die Gäste ins ZIB2-Studio kommen, um meine Fragen zu beantworten. Sie kommen wegen der 600.000 Zuseher. Nach 14 Jahren ZIB2 staune ich aber immer noch darüber, dass so viele Spitzenpolitiker glauben, es kommt gut an, Fragen nicht zu beantworten oder auszuweichen.

Ihre Fragen stören?
Ja. Nur gibt es die 600.000 Zuseher ohne meine Fragen nicht.

Wie authentisch erleben Sie Österreichs Politiker bei sich im Studio? Wie viel in den Interviews ist antrainiertes Rhetorik-Handwerkzeug?
Das ist für mich schwer zu sagen, weil ich die meisten meiner Gäste dann doch nicht so gut kenne. Als guter Politiker braucht man schon ein gewisses schauspielerisches Talent und das kann man als Interviewer in ein paar Minuten nicht durchbrechen.

Welche Unterschiede erleben Sie zwischen Frauen und Männern in Ihren Interviews?
Frauen sind für mich schwerer zu interviewen, denn bei Frauen verübeln es mir die Zuseher noch mehr, wenn ich unterbreche. Sagt ein Gast sehr nett, sehr freundlich und sehr ausgiebig nichts, muss ich aber unterbrechen. Ich habe nur sechs oder sieben Minuten Zeit für das Interview.

Alexander Van der Bellen ist auch sehr nett, sehr freundlich und sehr höflich, aber er sagt was.
Ja.

Gilt das auch für Irmgard Griss?
Ja. Interessanterweise, denn sie ist ganz neu in der Politik und Van der Bellen hat schon jahrzehntelange Erfahrung als Spitzenpolitiker. Beide agieren untypisch im ZIB2-Interivew. Beide beantworten Fragen. Das macht ihren Reiz für viele Zuseher aus.

Auch nach 30 Jahren im Journalismus hat Armin Wolf nach eigenen Angaben noch kein perfektes Interview geführt. Selbst wenn er durchwegs gelassen wirkt, können ihn manche Situationen schon einmal innerlich aus der Ruhe bringen.

Hat Ihnen schon mal etwas nach einem Live-Interview leidgetan?
Mir tut praktisch nach jedem Interview etwas leid. Von den 1500 Interviews, die ich in der ZIB2 gemacht habe, würde ich jedes einzelne anders machen, wenn ich es noch einmal führen könnte.

Auch ihr letztes Interview mit Außenminister Sebastian Kurz?
Auch das. Im Interview warf Kurz dem ORF vor, nicht darüber zu berichten, dass sich in Griechenland derzeit rund 30.000 Flüchtlinge befinden. Das hätte ich nicht einfach stehen lassen dürfen. Ich war mir sicher, dass die allermeisten Zuschauer ohnehin mitbekommen haben, dass wir sehr wohl darüber berichtet hatten, aber das war ein Fehler, wie ich an vielen Reaktionen gemerkt habe.

Was kann Sie aus der Ruhe bringen während einer Live-Sendung?
Ein wenig aus der Ruhe war ich als neulich Herr Van der Bellen im Studio war und sein Mikrofon nicht funktioniert hat. Ansonsten bin ich eher nicht der Typ, der schnell aus der Ruhe gerät. Das tolle an einer Live-Sendung ist, dass ich alles, was passiert, zur Not erklären kann.

Und Ihre eigenen Fehler?
Die ärgern mich am allermeisten. Aber normalerweise auch nicht so, dass die Zuseher viel davon merken.

Ihr schärfster Kritiker sind demnach Sie selbst...
Glaube ich zumindest. Ich werde durchaus viel kritisiert, aber auch viel gelobt. Auch für Interviews, an denen ich selbst immer noch genügend kritikwürdig finde. Ich habe noch nicht annähernd das perfekte Interview gemacht.

Wird es die ZIB2 Live-Interviews auch noch in zehn Jahren geben?
Nach allem was wir über das Fernsehen wissen, funktionieren Live-Events am besten, das gilt auch für unsere Live-Interviews. Wer sich für Politik interessiert möchte am nächsten Tag auch über das ZIB2-Interview vom Vorabend mitreden können.

Irgendwann mal wird irgendjemand in Ihre Fußstapfen treten. Was erwarten Sie sich von dieser Person?
Erstens habe ich vor das noch länger zu machen, denn ich habe großen Spaß daran. Zweitens werde ich mir keine großen Gedanken darüber machen, wie der Kollege oder die Kollegin nach mir die ZIB2 moderiert, weil die Sendung kein Erbe ist, dass man einem Nachfolger weitergibt. Die ZIB2 gehört nicht mir. Die ZIB2 haben vor mir schon sehr viele moderiert und moderieren außer mir noch andere. Und die machen das ganz hervorragend.

Könnte aber sein, dass sich ein zukünftiger Kollege an Ihnen orientiert?
Das würde mich wundern. Ich habe mich auch nie an Robert Hochner orientiert, obwohl er sicher ein besserer ZIB2 Moderator als ich war.

Haben Sie dennoch etwas von Robert Hochner gelernt?
Ja. Im Stehen das Sakko schließen, im Sitzen das Sakko öffnen. Im Ernst. Ich war mit Robert befreundet, habe ihn sehr geschätzt und halte ihn für den besten deutschsprachigen Nachrichtenmoderator, den es je gegeben hat. Es wäre aber total absurd zu versuchen, ihn nachzumachen.

Was hat Robert Hochner zu einem so besonderen Moderator gemacht?
Eine einmalige Kombination aus spitzbübischem Charme, britischer Höflichkeit und extrem großem Wissen. Mit seinem Charme konnte er sehr harte Interviews machen, ohne, dass es ihm jemand übel genommen hat. Das kann ich nicht. Ich bin ein völlig anderer Typ. Ich polarisiere viel stärker.

Wie lautet Ihre persönliche Erfolgs-Kombination?
Ich habe einfach große Lust an der diskursiven Auseinandersetzung und ein ganz gutes Auge für Widersprüche. Ich kann tadellos auch ein Argument, dass mir prinzipiell persönlich sympathisch ist auf Widersprüche abklopfen und auseinander nehmen. Und ich bin nicht faul.

Der berufliche Gipfel ist aber noch nicht erreicht, oder? Worauf dürfen wir uns noch freuen?
Ich habe nicht die allergeringste Ahnung. Mit dem was ich beruflich erreicht habe bin ich hochzufrieden. Aber ich würde gern meine Arbeit morgen besser machen als gestern.

Demnächst  erscheint die 2. Auflage Ihres Buches "Wozu brauchen wir noch Journalisten?"
Leider nicht. Ich habe es zeitlich nicht geschafft. Es hat sich seit der 1. Auflage mit der Lügenpresse-Debatte und der Medienkrise doch so viel geändert, dass ich ein ganz neues Buch hätte schreiben müssen. Bücher schreiben ist aber echt aufwendig und es lesen so wenige Menschen im Vergleich. Lieber schreibe ich Tweets. Geht viel schneller und erreicht viel mehr Leser.

Das Gespräch nimmt eine Wendung und es geht in Richtung Ausbildungschancen,  Sprache und Integration.

Wie gut bereitet das österreichische Schulsystem unsere Kinder auf verantwortungsvolle und herausfordernde Jobs, wie jene in der Politik oder im Journalismus vor?
Das kann man über das österreichische Schulsystem nicht sagen, weil es so divers ist. Es gibt hervorragende Schulen und leider auch sehr schlechte, so wie es sehr gute und auch schlechte Lehrer und Lehrerinnen gibt.

Wie waren Ihre Chancen auf Ausbildung?
Ich bin in Innsbruck in einer Sozialwohnbausiedlung aufgewachsen. Mein Vater war dort Hausmeister, meine Mutter Lebensmittelverkäuferin. Statistisch gesehen war die Wahrscheinlichkeit, dass ich mal drei akademische Abschlüsse haben würde, sehr gering. Kinder, die zum Beispiel in Wien im fünften Bezirk wohnen haben statistisch eine sehr viel geringere Chancen auf einen Matura-Abschluss als die Kinder im vierten Bezirk 200 Meter weiter. Sibylle Hamann hat darüber vor ein paar Wochen im Falter einen extrem spannenden Text geschrieben.

Eine weitere Bestätigung, dass die soziale Herkunft einen wesentlichen Stellenwert bei Aus- und Weiterbildung hat.
Es hängt jedenfalls nicht primär von der Intelligenz oder vom Fleiß der Kinder ab sondern viel mehr davon, welchen Schulabschluss ihre Eltern haben und wo sie wohnen. Da ich eher ein Freund meritokratischer Systeme bin und nicht von vererbten Startvorteilen, finde ich das nicht so toll. Ich wünsche mir, dass sich die Lebenschancen der Kinder mehr nach ihrer Begabung und nach ihrem Fleiß richten würden – nicht danach, wer ihre Eltern sind.

Das bringt uns zum Thema Integration. Wie definieren Sie gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintergrund?
Ich sehe Sprache als die wichtigste Voraussetzung für Integration. Sich zuhause fühlen und gemeinsame Erfahrungen in einer Gemeinschaft teilen – und letztlich heißt sich integrieren ja nichts anderes - ohne die Sprache zu beherrschen, stelle ich mir sehr schwierig vor. Und dann, glaube ich, geht es um Lebenschancen.

Lebenschancen?
Menschen, die nur aufgrund ihrer Herkunft schlechtere Lebenschancen haben, verlieren möglicherweise irgendwann das Interesse sich zu integrieren. Bei minimalen Chancen auf Ausbildung, auf einen Arbeitsplatz oder auf einen Mietvertrag, bleibt oft nur der Rückzug in ein Umfeld, in dem man sich angenommener fühlt. Das kann ich total verstehen, weil ich glaube, dass es uns Menschen grundsätzlich darum geht, sich wertgeschätzt zu fühlen.

Gibt es für Armin Wolf auch Berührungspunkte mit dem Land Kroatien?
Vor einigen Jahren war ich als Erwachsener das erste Mal auf Urlaub in Kroatien, in Opatija. Und ich will endlich mal nach Dubrovnik, die Stadt stelle ich mir von den Bildern, die ich kenne, wahnsinnig schön vor.

Sind Sie als Kind auch schon mal in Kroatien am Meer gewesen?
Mit sieben war ich das erste Mal in Kroatien, in Savudrija. Mit Savudrija verbinde ich schöne Erinnerungen. Es war bis zwanzig mein einziger Urlaub unter einem festen Dach – nicht am Campingplatz, wie sonst in meiner Kindheit. Dort habe ich auch mein erstes Karl May-Buch gelesen, Winnetou I – und ich habe dann viele Jahre mit Karl May verbracht. Am letzten Urlaubstag in Savudrija, unmittelbar vor der Abfahrt, habe ich dann unabsichtlich den neuen, teuren Fußball meines Freundes ins Meer hinaus geschossen. Er konnte leider nicht mehr gerettet werden. Der Ball, nicht der Freund.

Mit exklusiven Hotels samt Golf-Club steht das heutige Savudrija für Luxusurlaub.
Ich fand Savudrija schon als ein Kind, das aus einer eher armen Familie kam, sehr mondän und luxuriös. Da muss ich mal wieder hinfahren. Ich wäre neugierig, ob ich noch irgendwas erkenne oder wiederfinde.

Den verlorenen Lederball möglicherweise. Und, spielen Sie wieder Fußball?
Nein, ich bin total untalentiert. Golf ist auch nicht meins. Ich spiele lieber einmal die Woche Tischtennis.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wolf. Wir wünschen Ihnen einen baldigen Aufenthalt in Savudrija, weiterhin viel Spaß mit der ZIB2 und ein in Ihren Augen perfektes Interview - möglicherweise eines mit dem Papst. 

Danijela / kroativ.at

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