Der EU-Sprachentag und die Unmöglichkeit kroatische Nachnamen richtig auszusprechen

Der EU-Sprachentag und die Unmöglichkeit kroatische Nachnamen richtig auszusprechen

Anlässlich des Europäischen Tages der Sprachen (ETS), der seit 2001 jährlich am 26. September stattfindet um das Erbe der 200 europäischen Sprachen zu wahren, beschäftigt sich kroativ.at mit den Schwierigkeiten und Tücken welche die kroatische Sprache und im speziellen die kroatischen Nachnamen für die meisten Österreicher darstellen.

Die kroatische Sprache gehört zu den indogermanischen Sprachen und weist trotz ihres melodiösen Klanges einige Tücken auf. Vor allem bei Menschen aus dem deutschen Sprachraum erscheinen Fragezeichen über dem Kopf wenn sie einen kroatischen Text lesen und spätestens seit Kaya Yanar mit seiner Sprachennummer aufgetreten ist, glauben alle dass wir zu unseren Vokalen „Du kummscht hier net rein“ gesagt haben. Aber das größte Phänomen, von dem jeder Kroate groß und klein berichten kann, sind unsere Nachnamen.

Menschen mit Nachnamen wie Kolenda, Akrap oder Stojak (ja man glaubt es kaum aber auch das sind kroatische Nachnamen)  können sich zu den glücklichen zählen denn für sie stellt der Nachname kein „Problem“ dar. Aber sobald die letzten zwei Buchstaben aus einem „i“ und einem „ć“, also einem –ić, bestehen oder der Name andere typisch slawische Buchstaben aufweist, kommt es zu gewissen Komplikationen.

Ein jeder von uns der einen „–ić-Nachnamen“ besitzt, ist mit folgender Situation bestimmt mehr als ein Mal in Berührung gekommen: Man sitzt im Warteraum eines Arztes und wartet. Während Herr Müller, Frau Fischer und Frau Lindner seelenruhig im Wartezimmer sitzen und eine Zeitung lesen und einer nach dem anderen ohne besondere Vorfälle an die Reihe kommen, sitze ich sichtlich nervös da und hoffe, bete zu Gott, dass die Assistentin es schafft meinen Nachnamen richtig auszusprechen. Irgendwann, nachdem Frau Müller, Frau Lindner und Herr Fischer dran waren, kommt die Assistentin aus dem Arztzimmer. In der Hand hält sie die Patientenakte. Ich sehe sie hoffnungsvoll an und merke bereits an ihrem Gesichtsausdruck dass es ein ziemlich langes Unterfangen wird. Dann liest sie den Namen laut vor: Magdalena Cer…, Cerke..., Cerko...(dann bemerkt sie dass das Hatschek darauf hinweist, dass es sich um ein Č handelt), Tscher..., Tscherkec..., Tscherko... Während alle anderen im Raum gespannt all den exotischen Variationen meines Nachnamens zuhören und darauf warten dass sie den Namen endlich richtig ausspricht, weil es sie nach einer halben Ewigkeit nun doch interessiert wie man es denn richtig sagt, sitze ich da und würde mir am liebsten die Hand vor das Gesicht halten. Nach einem ziemlich langen und anstrengenden Kampf mit den zehn Buchstaben meines Nachnamens sagt sie dann endlich voller Stolz: Frau Tscherkovitsch...und liegt damit natürlich völlig falsch.

Dass mein Nachname nicht gerade zur leichtesten Sorte zählt, zusätzlich für Schwierigkeiten sorgt und manchmal selbst Kroaten ihn nicht richtig aussprechen können, ist mir seit meiner Kindheit klar. Deshalb konnte ich bereits in der Volksschule das österreichische Buchstabieralphabet im Schlaf. Konrad, Viktor, Ida und Cäsar sind seit jeher meine besten Freunde.

Mittlerweile habe ich es mir angewöhnt sofort beim ersten Versuch einer Person meinen Nachnamen auszusprechen, aufzustehen und zu sagen: Das bin ich. Es mag vielleicht unhöflich sein jemanden mitten im Wort zu unterbrechen, aber diese Taktik hat nicht nur mir einiges erleichtert. Auch das Leben der Assistentin ist damit ein Stückchen einfacher geworden.

Anfangs hat es mich ziemlich geärgert dass es für Menschen mit Deutsch als Muttersprache scheinbar unmöglich ist meinen Nachnamen richtig auszusprechen, aber mittlerweile finde ich es ziemlich lustig. Ab und zu erlaube ich mir sogar den Spaß und lasse die Leute raten, nur um zu sehen welche Variationen ich meiner Sammlung noch hinzufügen kann.

Eines muss man den Österreichern aber lassen. Sie sind stets bemüht die Namen richtig auszusprechen, selbst wenn es manchmal eine halbe Ewigkeit dauert. Trotz all der Jahre in denen sich die Menschen so gut wie Möglich bemüht haben meinen Nachnamen richtig auszusprechen, konnte ich bis jetzt nur einen einzigen Triumph verbuchen. Der einzige der bis jetzt meinen Nachnamen auf Anhieb richtig ausgesprochen hat, ist mein ehemaliger Mathematik Lehrer in der Oberstufe. Gratulation Herr Professor. Ich hätte damals am liebsten Luftsprünge gemacht, denn ich war richtig glücklich darüber.

Dieses Phänomen der kroatischen Nachnamen ist mir trotzdem immer noch ein Rätsel. Österreicher schaffen es Tschaikovsky und Camus richtig auszusprechen, aber einen kroatischen Nachnamen nicht. Vielleicht sind die –ić-Endungen und die Hatschecks über den Buchstaben, es sind immerhin fünf (č,ć,š,ž,đ), einfach zu viel. Oder es muss einfach noch einige Zeit ins Land gehen bis sich auch Österreicher voll und ganz an die Eigenheiten unserer Nachnamen gewöhnt haben, so wie sie es bei den Tschechischen und Slowakischen Nachnamen getan haben. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich nicht mehr lange mit meinem Nachnamen zu kämpfen haben werde. 

Denn eines Tages werde ich heiraten und möchte den Nachnamen meines Ehemannes annehmen, einen leichter auszusprechenden, wie ich hoffe. Allerdings wird dann womöglich die Ehefrau meines Bruders meinen Platz einnehmen und mit Konrad, Viktor, Ida und Cäsar eine Freundschaft fürs Leben schließen.

Magdalena Čerkezović / kroativ.at

Print

Ähnliche Artikel

Foto des Tages
Foto des Tages
Events
« »
  • Mo
  • Di
  • Mi
  • Do
  • Fr
  • Sa
  • So
FotogalerieAlle anzeigen