"BKS" an der Universität Wien

Hinter dem Begriff "BKS" verbergen sich die Sprachen: Bosnisch, Kroatisch und Serbisch. BKS ist ein umstrittener Begriff und ein sensibles und komplexes Thema. Umso herausfordernder ist es, das Thema praxistauglich zu gestalten. Wie dies auf der Universität Wien gelingt zeigt folgender Erfahrungsbericht.

Vor ungefähr 4 Jahren entschloss ich mich dazu Transkulturelle Kommunikation mit den Sprachen Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Englisch zu studieren. Ich habe mir nie sonderlich darüber Gedanken gemacht, wie dieses "BKS" funktionieren und wie es uns beigebracht werden wird. Ich wusste einfach nicht was mich erwartet.

Oktober 2012: Erste Stunde in BKS. Die Lektorin leitet die Stunde mit den Worten: „Wer kann Kyrillisch? Diejenigen die es nicht können, sollen es bitte bis nächstes Mal lernen“ ein. Panik unter all den Studierenden, die in Österreich aufgewachsen oder geboren sind. Jeder fängt an das Kyrillische zu verfluchen, auch diejenigen, die aus Serbien stammen und deren Standardschrift es ja eigentlich ist. Nach dem ersten Kontakt mit dem kyrillischen Alphabet merken wir aber alle, dass es gar nicht so schlimm ist. Laut liest man zwar wie ein Erstklässler, aber schnell gewöhnt man sich an die neue Schrift.

Ich bin sogar übereifrig und lerne auch die Schreibschrift, benötige sie aber nie. Genau so wenig wie das Kyrillische. Zwei Mal habe ich es verwenden müssen. Im Endeffekt war dieses Erlernen einer neuen Schrift nur eine Bereicherung. Anfangs waren wir alle überfordert, verdammten alles Mögliche und jeden. Aber eigentlich, mussten wir, die Kroatisch als Muttersprache hatten, bis auf die zwei Ausnahmen, nie Kyrillisch schreiben.

Und somit komme ich schon zu dem, wie BKS an der Uni gelehrt wird. Jeder von uns BKS-Studierenden ist entweder aus Bosnien, Kroatien oder Serbien. Somit hat jeder von uns eine andere Muttersprache. Gleich zu Beginn müssen wir uns für eine der drei Sprachen entscheiden. In meinem Fall Kroatisch. Die Lektoren sind immer verschieden.

Manchmal ist die Lektorin aus Kroatien, manchmal aus Serbien oder Bosnien. Für uns macht es keinen Unterschied. Wenn wir Texte schreiben oder übersetzen, schreiben wir in unserer Muttersprache.

Anfangs wurden wir so auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Sprachen gedrillt, dass wir sogar serbische Texte ins Kroatische übersetzen mussten oder umgekehrt. Jedes Mal wenn ich ein Wort höre, welches im Kroatischen eventuell anders als im Serbischen heißen könnte, denke ich sofort darüber nach wie das Synonym in der anderen Sprache dazu lautet.

Das Konstrukt BKS an den Unis funktioniert so gut, wie es nur funktionieren könnte. Jeder respektiert einander und lernt mit dieser „Sprachenvielfalt“ umzugehen.

Heute, 4 Jahre später, befinde ich mich im zweiten Mastersemester des Faches Translation. Viel hat sich nicht geändert. Wir arbeiten noch immer aus allen Sprachen ins Deutsche, aber wenn wir aus dem Deutschen ins unsere Fremdsprache arbeiten, dann in die jeweilige Muttersprache. Keine Sprache wird diskriminiert oder kommt zu kurz. 

Christina Nikolic / kroativ.at 

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