Bildung beginnt zu Hause

Bildung beginnt zu Hause

Es ist Zeit dem Thema Kleinkindpädagogik höchste Priorität einzuräumen, einfach deshalb, weil das Fundament unseres Systems brüchig ist. Wenn wir also über eine neue Bildungspolitik sprechen, müssen wir beim Kindergarten und vor allem bei der Bildung und Erziehung zu Hause beginnen. 

Die ersten Monate sind geschafft. Es krabbelt und brabbelt, verzaubert uns täglich und sorgt in gewohnter Manier für nächtliche Aktivitäten und müde Gesichtsausdrücke von Mama und Papa, die sich hin und wieder auf einem der vielen Fotos unserer Allerkleinsten blicken lassen. Keine Frage, es ist anstrengend und es ist ein Fulltime-Job ein Baby liebevoll, ganz auf seine Gesundheit, auf die sozialen Kompetenzen und auf die Zukunft bedacht, zu versorgen. Der Übergang ins Kleinkindalter ist nicht weniger anstrengend. Manchmal kommt es mir vor in dem allseits bekannten Buch "Oje, ich wachse" haben sie die Phasen nach "Freud und Leid mit gut 17 Monaten" einfach ausgelassen.  Denn Freud und Leid setzen sich fort. Das Leid wird in den Medien ohnehin breit getreten, also mache ich jetzt bewusst einen großen Bogen um die leidvollen Themen. Und wenn ich mal das Gesicht des Leides zum Vorschein bringe, dann konstruktiv, mit einem lachenden und einem weinenden Auge, und niemals mit  "ich bereue es, Mutter geworden zu sein" zwischen oder in den Zeilen. Mein Verständnis reicht für eine ganze Menge, aber nicht für Alles und Jeden. Wie man es hinkriegt sein eigenes Kind zu bereuen, ist und möge mir für immer unverständlich bleiben.

Auch unverständlich ist mir die Lage der Nation hinsichtlich unserer Kleinkinderbetreuung. Gerade in den letzten Wochen wird viel über "unangemessene Bestrafungen", über Islamisierung in den Kindergärten, über mangelndes oder inkompetentes pädagogisches Personal oder über die immer noch nicht gelungen Integration berichtet. Über Inklusion brauche ich erst gar nicht schreiben, dafür ist unsere Denkweise nicht reif genug. Höhere Priorität räume ich daher dem Thema der Kleinkinderbetreuung allgemein ein, einfach deshalb, weil das Fundament unseres Systems brüchig ist. Ich wünsche mir, dass Gesellschaft und Politik das Übel an der Wurzel anpacken. Wenn wir also über  eine neue Bildungspolitik sprechen, müssen wir beim Kindergarten und natürlich bei der Bildung und Erziehung zu Hause beginnen.

Eltern sind hauptverantwortlich

Die Politik hat hier zweifellos einiges zu tun. In Wien haben wir mit Rot-Grün Chancengleichheit für alle Kinder im Ansatz verankert und das ist die Grundvoraussetzung für das Gelingen einer neuen Bildungspolitik. Doch nicht nur die Politik hat viel zu tun.

Wir - die Kritiker von Politik, wir - die Unzufriedenen mit Institutionen und Behörden, wir - die Gesellschaft, wir Eltern haben ebenso unsere Aufgabe zu erledigen. Unabhängig ob unsere Kinder mit 4 Monaten oder 4 Jahren in eine Krippe, eine Kindergruppe oder einen Kindergarten kommen, wir haben auch zu Hause die Aufgabe unsere Kleinen zu erziehen und mit ihnen zu lernen.

Auch wir, oder in erster Linie wir, sind dafür verantwortlich, dass unsere Kinder zu sozial kompetenten und emotional stabilen Persönlichkeiten heranwachsen, sich zu neugierigen Schülern entwickeln, zu verantwortungsbewussten Jugendlichen und weltoffenen Erwachsenen.

Eltern entdecken und lernen mit

In gewisser Weise bedeutet das, dass wir Eltern uns zu Wissenden entwickeln müssen. Ich stelle mir gerade vor was ich alles nicht wusste bevor ich Mutter wurde. Ich denke an ein Wien zurück, das ich nicht mit den Augen einer Mutter kannte. Oh wie wunderbar es ist, Wiens versteckte Fleckchen mit Kind zu entdecken. Entdecken ist das gefragte Stichwort. Nicht nur unsere Kinder, auch wir entdecken gemeinsam mit ihnen. Das erfordert Zeit. Zeit, die wir mit den Kleinsten unserer Gesellschaft verbringen. Dies erfordert, die Kleinsten unserer Gesellschaft nicht vor das Fernsehgerät oder den Laptop zu platzieren, um unsere Ruhe für was auch immer zu haben. Dies erfordert den Kauf dieser viereckigen Dinger, die keine Tasten zum Drücken haben, denen nur durch Mamas oder Papas Vorlesen eine Stimme verliehen wird. Dies erfordert, auch selbst mal zu einem Fachbuch zu greifen oder sich mit anderen Eltern auszutauschen.

Der Eltern Schnell-Test

Wie lange ist es also her, dass du deinem Kind ein Buch geschenkt hast? Hast du gestern Abend vor dem Einschlafen vorgelesen? Warst du am 8. Dezember shoppen mit Kind und 150.000 anderen WienerInnen oder doch im Haus der Musik? Und wie sieht es mit Theater aus? Wusstest du von der Nikolo Spezial Vorstellung bei Kasperl und Pezi? Oder dass Frau Holle Märchenstimmung im winterlichen Wien verbreitet?

Kennt dein Kind den Kleinen Prinzen schon und weiß es, wie es sich zutrug als das Christkind zum ersten Mal lächelte? Oder steht bei euch die Adventzeit im Zeichen weihnachtlicher (amerikanischer) Zeichentrickfilme? Wie naturverbunden ist dein Kind? Hat es vergangenen Sommer Zwetschgen und Birnen vom Ast gepflückt und direkt in den Mund gesteckt? Hat es schon mal eine Ziege oder ein Huhn gefüttert? Wie viel Zeit verbringt es mit Bewegung an der frischen Luft? Kennt ihr schon den Motorikpark in Wien?

Seien wir uns doch ehrlich, die oben angeführten Fragen sind nur ein Ausschnitt aus dem was wir tun und ermöglichen sollten. Natürlich gibt es unterschiedliche Wege das Ziel zu erreichen. Entscheidend ist, dass wir einen Weg gehen, mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Wir sprechen hier von der größten Verantwortung, die es überhaupt gibt. Wir sprechen von jenen kleinen Menschen, die das Wichtigste in unserem Leben sind.

Danijela / kroativ.at | foto: Luis Louro

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